Auswandern und Steuern sparen: Was Sie zu Abmeldung, Wegzugsbesteuerung, Doppelbesteuerungsabkommen & attraktiven Ländern wie Portugal, Malta & Zypern wissen müssen. (158)
Veröffentlicht am: 29. Mai 2026
Besonders durch die Niederlassungsfreiheit in der Europäischen Union ist es heute leichter denn je ins Ausland zu ziehen.
Doch neben den vielen praktischen Erwägungen wie Übersiedlung, Wohnungssuche und Arbeitssuche ist auch das Thema Steuern ein Wichtiges. Oft lässt sich nämlich mit dem Umzug ins Ausland auch die Steuerbelastung reduzieren.
Doch Vorsicht: Ein Umzug muss detailliert geplant und auch steuerrechtlich vorbereitet werden, denn wenn nicht alle Punkte gut bedacht sind, begibt man sich unter Umständen in eine Grauzone, wo nicht klar ist, welches Land das Recht zur Besteuerung hat.
Wir haben Ihnen einen Artikel zusammengestellt, der die wichtigsten Themen zum Umzug ins Ausland und Steuerrecht zusammengefasst, damit sie einen guten Überblick über die Konsequenzen haben.
Damit die Finanzbehörden einen Wegzug ins Ausland tatsächlich anerkennen, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:
Erst wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, endet die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland. Werden hier Fehler gemacht, kann das Finanzamt den Wegzug ignorieren und die Steuerpflicht weiter geltend machen.
Beim unentgeltlichen Übergang von Kapitalgesellschaftsanteilen ins Ausland greift eine spezielle Wegzugsbesteuerung. Nach § 6 AStG gelten seit 2022 neue Regelungen. Diese greift, wenn eine natürliche Person mit wesentlicher Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt. Konkret betrifft dies folgende Fälle:
Die Wegzugsbesteuerung wird bei Wegzug in EU/EWR-Staaten sowie bei Wegzug in Drittstaaten unterschiedlich gehandhabt:
Bemessungsgrundlage ist die Differenz zwischen dem gemeinen Wert der Anteile und deren steuerlichem Buchwert. Gestaltungsmöglichkeiten zur Steueroptimierung:
Wichtig: Die konkreten Gestaltungsmöglichkeiten müssen im Einzelfall sorgfältig geprüft werden. Eine frühzeitige steuerliche Beratung ist aufgrund der Komplexität der Regelungen und möglicher Fallstricke dringend zu empfehlen.
Auch nach dem Wegzug können steuerliche Verpflichtungen in Deutschland fortbestehen. Dies gilt im Rahmen der erweiterten beschränkten Steuerpflicht, die bis zu zehn Jahre nach dem Umzug angewandt werden kann.
Voraussetzung ist, dass eine Person weiterhin Einkünfte im Inland bezieht oder hierüber noch verfügen kann. Typischerweise betrifft dies:
Für diese Einkünfte bleibt auch nach dem Wegzug die deutsche Steuerpflicht bestehen. Daher sollte man sie vor einer Auswanderung gründlich analysieren.
Zwischen Deutschland und dem jeweiligen Zielland bestehen in der Regel bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen. Diese regeln, welcher Staat unter welchen Umständen ein Besteuerungsrecht hat.
Im Hinblick auf die Einkommensbesteuerung wird zum Beispiel oft festgelegt:
Da die Feinheiten von den Abkommen abhängen, sollten Auswanderer diese genau prüfen. Nur so lässt sich vermeiden, dass das Einkommen versehentlich doppelt besteuert wird.
Die meisten Länder besteuern nach dem Residenzprinzip, nicht nach Staatsbürgerschaft. Nur die USA, die Philippinen und Eritrea besteuern ihre Bürger unabhängig vom Wohnsitz.
Einige Länder bieten besondere Steuervorteile für Zuwanderer:
Bei der Wahl des Ziellandes sollten jedoch nicht nur steuerliche Aspekte berücksichtigt werden. Entscheidend sind auch:
Bei der Wahl des Ziellandes sollten jedoch nicht nur fiskalische Gründe im Vordergrund stehen. Mindestens genauso wichtig sind Faktoren wie Lebensqualität, Sicherheit, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und gesellschaftliches Umfeld.
Einige Länder wie die Kaimaninseln, British Virgin Islands oder Panama gelten als Steuerparadiese, wo keine oder nur minimale Steuern anfallen. Doch eine Scheinauswanderung in diese exotischen Domizile ist riskant:
In der Praxis gelingt es den Finanzbehörden immer wieder, Scheinauswanderer aufzudecken und zur Kasse zu bitten. Eine solche Steuerhinterziehung ist strafbar und keinesfalls empfehlenswert.
Angesichts der komplexen Materie ist es sehr ratsam, sich vor der Auswanderung professionell beraten zu lassen. Spezialisierte Steuerberater und Anwälte können Auswanderungswillige umfassend aufklären:
Diese Expertise hilft, Fehler und Nachteile zu vermeiden. Die Kosten für die Beratung amortisieren sich in aller Regel durch die steuerlichen Einsparungen.
Herr Maximilian Tell (45) ist erfolgreicher Online-Unternehmer und betreibt mehrere lukrative Webshops in Deutschland. Die hohe Einkommensteuerbelastung wurde ihm zunehmend ein Dorn im Auge, weshalb er beschloss, mit seiner Familie nach Portugal auszuwandern.
Durch den "Non-habitual resident"-Status (NHR) für Neubürger profitiert Herr Tell von besonderen steuerlichen Vorteilen. Seit 2020 gilt für die meisten seiner ausländischen Einkünfte ein Mindeststeuersatz von 10%. Bestimmte in Portugal erwirtschaftete Einkünfte aus "hochwertigen Tätigkeiten" werden mit einem Vorzugssteuersatz von 20% besteuert. Diese Regelung gilt für die ersten 10 Jahre seines Aufenthalts in Portugal.
Gemeinsam mit seiner Ehefrau Marie und den zwei Kindern Leonie (12) und Jonas (8) zog Familie Tell nach Porto in Portugal. Durch den sehr viel günstigeren Immobilienmarkt konnten sie sich dort ein schönes Haus mit Meerblick leisten.
Die Kinder besuchen eine internationale Schule in Porto und sprechen bereits gut Portugiesisch. Auch das Wetter und die Lebensqualität vor Ort gefallen der Familie sehr gut. Herr Tell managt seine Online-Firmen einfach remote weiter.
Durch die professionelle Vorbereitung verlief der Umzug reibungslos. In Deutschland meldete Herr Tell seinen Wohnsitz ordnungsgemäß ab und schloss seine Bankkonten. In Portugal wurden alle nötigen Visa und Aufenthaltsgenehmigungen, einschließlich des NHR-Status, erfolgreich beantragt.
Familie Tell fühlt sich sehr wohl in der neuen Heimat Portugal. Die Steuerersparnis durch den "Non-habitual resident"-Status ist ein angenehmer Nebeneffekt, war aber nicht der Hauptgrund für den Umzug.
Haben Sie sich nun tatsächlich entschieden, Deutschland den Rücken zu kehren und ins Ausland umzuziehen? Dann beachten Sie die von uns erwähnten wichtigen Punkte und auch Risiken, die steuerrechtlich bei einem Umzug bestehen könnten.
Planen Sie den Umzug gründlich und lassen Sie sich von professionellen Beratern unterstützen, um den Umzug so sicher wie möglich zu gestalten. Wir setzen Sie gerne in Verbindung mit lokalen Steuerberatern, die Ihnen helfen, sich steuerlich in Ihrem gewünschten Land zu registrieren. Kontaktieren Sie uns dazu heute.