Erbschaftssteuer

Rechtliche Grundlagen der Erbschaftssteuer

 

Die rechtlichen Grundlagen für die Erhebung der Erbschaftssteuer sind im Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz sowie in der Erbschaftssteuer-Durchführungsverordnung festgehalten.

 

Die Erbschaftssteuer ist eine so genannte Landessteuer, der Bund besitzt gemäß Art. 105 Abs. 2 GG in Verbindung mit Art. 72 Abs. 2 GG die konkurrierende Gesetzgebungszuständigkeit. Soweit nicht anders bestimmt, richtet sich die Bewertung des angefallenen Vermögens nach den im Bewertungsgesetz festgehaltenen Vorschriften.

 

Die Höhe der Erbschaftssteuer

 

Übernimmt der Erben oder auch Mitglieder einer Erbengemeinschaft müssen bei Übernahme einer Erbschaft Erbschaftssteuer zahlen.

 

Wie hoch diese Steuer ausfällt, richtet sich entsprechend dem deutschen Erbrecht nach zwei Faktoren:

 

  1. nach dem Grad der Verwandtschaft,
  2. nach der Höhe der Erbschaft.

Die Erbschaftssteuer ist grundsätzlich umso niedriger, je enger das Verwandtschaftsverhältnis ist. Allerdings steigt die Steuer mit der Höhe des Nachlasswertes.

 

Der Erbschaftssteuersatz

 

Der Erbschaftssteuersatz gibt die Höhe der gesetzlich festgelegten Abgaben an, welche der Erbe bei Erbantritt zahlen muss. Im Erbschaftssteuergesetz ist die genaue Höhe geregelt.

 

Die folgende Tabelle zeigt die unterschiedlichen Erbschaftssteuerklassen mit ihren jeweiligen Steuersätzen auf:

 

Erbschaftshöhe in Euro

Erbschaftssteuer in Prozent (Steuerklasse 1)

Erbschaftssteuer in Prozent (Steuerklasse 2)

Erbschaftssteuer in Prozent (Steuerklasse 3)

  1. 000

7

15

30

  1. 000

11

20

30

  1. 000

15

25

30

  1. 000

19

30

30

  1. 000

23

35

50

  1. 000

27

40

50

darüber hinaus

30

43

50

Die Steuerklasse, der ein Erbe angehört nimmt enormen Einfluss auf die Höhe der Erbschaftssteuer. Zu beachten gilt dabei allerdings, dass auch bestimmte Freibeträge berücksichtigt werden.

 

Die Einteilung der Erben in die jeweilige Steuerklasse ist wie folg geregelt:

 

  • Steuerklasse 1: Ehepartner/ eingetragene Lebenspartner, Kinder des Erblassers, Eltern und Großeltern des Erblassers
  • Steuerklasse 2: Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern sowie Schwiegerkinder des Erblassers
  • Steuerklasse 3: alle nicht verwandten Personen wie Freunde und Bekannte

Freibeträge bei der Erbschaftssteuer

 

Im Rahmen der Erbschaftssteuer kommen bestimmte Freibeträge zur Anwendung, bis zu denen keine Steuer entrichtet werden muss. Auch dieser Freibetrag richtet sich nach dem verwandtschaftlichen Verhältnis.

 

Für die Erben gelten dabei die folgenden Freibeträge:

 

  • Ehepartner sowie eingetragene Lebenspartner: 500.000 Euro
  • leibliche Kinder/ Adoptivkinder: 400.000 Euro
  • Enkelkinder: 200.000 Euro
  • sonstige Nachkommen sowie Eltern und Großeltern: 100.000 Euro
  • Geschwister, Nichten und Neffen: 20.000 Euro
  • Personen der Steuerklasse 3: 20.000 Euro

Der Versorgungsfreibetrag im Zusammenhang mit der Erbschaftssteuer

 

Zusätzlich zum Freibetrag erhält ein bestimmter Personenkreis einen so genannten Versorgungsfreibetrag. Der Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner sowie die Kinder des Erblassers gehören zu diesem Personenkreis.

 

Durch den Versorgungsfreibetrag soll sichergestellt werden, dass die Versorgung dieser Personen auch nach dem Tod des Erblassers möglich ist. Es gelten die folgenden Versorgungsfreibeträge:

 

  • Ehepartner und eingetragene Lebenspartner: 256.000 Euro
  • Kinder zwischen 0 und 5 Jahren: 52.000 Euro
  • Kinder zwischen 5 und 10 Jahren: 41.000 Euro
  • Kinder zwischen 10 und 15 Jahren: 30.700 Euro
  • Kinder zwischen 15 und 20 Jahren: 20.500 Euro
  • Kinder ab 20 Jahre (bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres): 10.300 Euro

Sofern Kinder oder auch der Ehepartner eine Hinterbliebenenrente erhalten, wird der Versorgungsfreibetrag entsprechend gekürzt. Je nach Höhe des Nachlasses lässt sich die Erbschaftssteuer mit Hilfe von Freibetrag und Versorgungsfreibetrag zumindest zum Teil umgehen.

 

Umgehen der Erbschaftssteuer für Kinder

 

Es ist möglich, die Erbschaftssteuer für Kinder zu umgehen. Hier kann mit Schenkungen noch während Lebzeiten gearbeitet werden. Für Schenkungen an Kinder gilt alle zehn Jahre ein Freibetrag von 400.000 Euro, auf den keine Schenkungssteuer anfällt.

 

Erbschaftssteuer bei Immobilien

 

Gehört zum Nachlass ein Haus, muss unter Umständen auch hier Erbschaftssteuer gezahlt werden. Es fallen allerdings weder Grunderwerbs- noch Einkommenssteuer an.

 

Wie hoch die Erbschaftssteuer für eine Immobilie ausfällt, ist vom ermittelten Verkehrswert dieser und natürlich auch hier vom Verwandtschaftsgrad abhängig. Soll die Erbschaftssteuer für eine Immobilie umgangen werden, kann eine Schenkung zu Lebzeiten die Alternative sein. Zwar fällt hier eine Schenkungssteuer an, jedoch entfällt ebenfalls die Grunderwerbs- und Einkommenssteuer, sofern der Beschenkte die Immobilie für einen Zeitraum von zehn Jahren selbst bewohnt.

 

Basis für die Erbschaftssteuer bildet die Wertermittlung

 

Um den Wert einer Immobilie ermitteln und so die Erbschaftssteuer festlegen zu können, kommen verschiedene Verfahren in Betracht. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, ist von der Nutzung der Immobilie abhängig.

 

So kommt bei selbst genutzten Immobilien das so genannte Vergleichswertverfahren und bei Mietimmobilien das Ertragswertverfahren zur Anwendung.

 

Sofern für das Vergleichswertverfahren nicht ausreichend Vergleichswerte zur Verfügung stehen, kommt alternativ das Sachwertverfahren zum Einsatz.

 

Anhand des ermittelten Wertes wird dann die Höhe der Erbschaftssteuer festgelegt.

 

Sorgen Schäden an einer Immobilie für eine geringere Erbschaftssteuer?

 

Sind an einer Immobilie Schäden vorhanden, dann wirkt sich dies nicht mindern auf die Erbschaftssteuer aus. Entsprechend eines Urteils des Bundesfinanzhofs können Schäden nicht als Nachlassverbindlichkeit abgezogen werden. Es besteht lediglich eine Ausnahme, wenn der Erblasser schon vor seinem Tod zur Beseitigung der vorhandenen Mängel verpflichtet gewesen wäre.

 

Praxisbeispiel:

 

Der Erblasser hinterlässt ein Mietshaus, bei dem die Mieter Mängel geltend machen, die vom Erben zu beseitigen sind. Unter Umständen werden diese Mängel dann als Nachlassverbindlichkeit gewertet und mindern die Erbschaftssteuer.

 

Sonderregelungen für die Erbschaftssteuer bei Immobilien

 

Grundsätzlich gelten auch bei Immobilien bestimmte Regelungen für die Erbschaftssteuer. Unter Umständen wird so keine Erbschaftssteuer fällig.

 

So werden zunächst nur 90 Prozent des Immobilienwertes zur Berechnung der Erbschaftssteuer herangezogen.

 

Für Ehepartner und eingetragene Lebenspartner sowie Kinder des Erblassers müssen zudem folgende Kriterien erfüllt sein, um keine Erbschaftssteuer zu zahlen:

 

  • Vor seinem Tod hat der Erblasser die Immobilie selbst bewohnt.
  • Die Erben leben auch nach dem Tod des Erblassers noch für mindestens zehn Jahre selbst in der Immobilie.
  • Für Kinder gilt eine Begrenzung der Wohnfläche von maximal 200 Quadratmetern. Für jeden Flächenanteil, der diesen Wert übersteigt, muss Erbschaftssteuer gezahlt werden.

Die Erbschaftssteuererklärung

 

Erben sind grundsätzlich dazu verpflichtet, eine so genannte Erbschaftssteuererklärung abzugeben. Die jeweiligen Formulare sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Das zuständige Finanzamt sendet die Steuerformulare dem Erben in der Regel zu und setzt diesem eine Frist für die Rückgabe der Steuererklärung.

 

Erben sind zur Meldung der Erbschaft beim Finanzamt verpflichtet. Wer dieser Verpflichtung nicht nachkommt, riskiert ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Diese Meldung muss unabhängig von der Höhe des Erbes erfolgen. Eine Abgabe der Erbschaftssteuererklärung muss aber nicht unaufgefordert erfolgen, es kann bis zur Aufforderung durch das Finanzamt damit gewartet werden.

 

Besteht der Nachlass lediglich aus Geld und Wertgegenständen und wurde beim Nachlassgericht ein Testament eröffnet oder existiert ein notarielles Testament oder auch ein Erbvertrag, müssen Erben das Finanzamt nicht informieren. Die Meldung übernehmen in diesem Fall Nachlassgericht oder Notar. Lediglich, wenn auch Grundbesitz oder Vermögen aus Betrieben oder dem Ausland zum Erbe gehören, muss der Erbe der Meldepflicht selbst nachkommen.

 

Erbschaftssteuer bei betrieblichem Vermögen

 

Unter bestimmten Voraussetzungen unterliegt betriebliches Vermögen nicht der Erbschaftssteuer.

 

Per Gesetz ist festgelegt, dass 15 Prozent eines betrieblichen Vermögens mit Erbschaftssteuer belegt werden. Es besteht lediglich eine Ausnahme, wenn diese 15 Prozent den so genannten Abzugsbetrag (150.000 Euro) nicht überschreiten.

 

Der Abzugsbetrag ist dann von der Erbschaftssteuer ausgenommen. Da es für die Erbschaft von Betriebsvermögen einige Sonderregelungen gibt, sollte in diesem Fall ein erfahrener Anwalt zu Rate gezogen werden.

 

Wenn Erben im Ausland leben – wird Erbschaftssteuer fällig?

 

Lebt ein Erbe im Ausland, muss er nicht zwingend Erbschaftssteuer in Deutschland entrichten. Entscheidend für die Pflicht zur Erbschaftssteuer ist der Wohnort. Sofern der Erbe bereits mehr als fünf Jahre im Ausland lebt, fällt er nicht unter die Steuerpflicht in Deutschland.

 

Da es auch hier einige Ausnahmeregelungen gibt, die beispielsweise auch den Wohnort des Erblassers betreffen, empfiehlt sich auch hier der Rat eines erfahrenen Anwalts.